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Unternehmensnahe Dienstleister – die Gewinner des Strukturwandels

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Die unternehmensnahen Dienstleister sind die Gewinner des Strukturwandels. Mit ihren personalintensiven Serviceangeboten fördern sie die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Geschäftskunden und erweisen sich volkswirtschaftlich als Jobmotor.

In öffentlichen Diskussionen werden mit dem Dienstleistungssektor immer wieder personenbezogene Dienstleistungen assoziiert oder Unternehmen, die in erster Linie Arbeitsplätze für ungelernte und gering qualifizierte Tätigkeiten anbieten. Ziel des Sonderdruckes "Aufstieg eines stillen Riesen" (PDF) ist es, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen. Aufgezeigt wird, womit unternehmensnahe Dienstleister ihr Geld verdienen und welche Rolle sie in der Arbeitsteilung einer hochentwickelten Volkswirtschaft spielen. Auch wird nachgewiesen, dass im unternehmensnahen Dienstleistungssektor fast ausschließlich qualifizierte Mitarbeiter tätig sind. Nur dadurch können anspruchsvolle Dienstleistungen für Geschäftskunden erbracht werden. Kurzportraits norddeutscher Unternehmen geben konkrete Einblicke in die Welt der unternehmensnahen Dienstleister.

Die hohe Produktivität moderner Volkswirtschaften beruht auf dem Prinzip der Arbeitsteilung und der damit verbundenen Spezialisierung in der gesamten Wertschöpfungskette. Angesichts des permanenten Rationalisierungsdrucks hat sich in den letzten 30 Jahren zunächst im Industriesektor, dann auch in allen anderen Wirtschaftsbereichen der Trend zur Konzentration auf die Kernkompetenzen verstärkt. Betriebliche Funktionen, die nicht notwendigerweise zum Kerngeschäft gehören, wurden ausgelagert und auf externe Dienstleister übertragen.  

Dieser Prozess des "Outsourcing" war die Initialzündung für das rasante Wachstum des unternehmensnahen Dienstleistungssektors. Bestehende Serviceangebote wurden ausgeweitet, neue Geschäftsmöglichkeiten haben sich eröffnet. Zum Teil sind neue Dienstleistungen und damit zusätzliche Branchen entstanden. Folgende Beispiele belegen dies:  

So hat die Auslagerung von Betriebskantinen die Catering-Branche hervorgebracht, die sich heute mit einer Fülle an internationalen Spezialitäten um die Bewirtung von betrieblichen Veranstaltungen ihrer Kunden kümmert, von der Vorstandssitzung bis zum Kongress.  

Steuerberater und externe Abrechnungsstellen übernehmen die Lohnbuchhaltung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die dafür kein Personal mehr bereitstellen und ausbilden  müssen. Finanzdienstleister, wie zum Beispiel Factoring-Unternehmen, kümmern sich um das Forderungsmanagement ihrer Geschäftskunden. Seit der Veränderung der Kreditvergabepraxis der Banken durch „Basel II" erlebt diese Branche einen beispielhaften Boom. Denn hohe Außenstände belasten die Liquidität, Zahlungsausfälle können schnell die Existenz gefährden. Darüber hinaus informieren Factoring-Unternehmen über die Bonität von Lieferanten und Kunden und schützen damit ihre „Klienten" vor drohenden Zahlungsausfällen.  

Lettershops entlasten ihre Kunden von Massenaussendungen an Werbematerial mit individualisierte Adressen. Sie verfügen über fachliches Know-how im Directmailing und einen modernen Maschinenpark. Sie drucken, falzen, kuvertieren und verposten die Aussendungen. Sie selektieren Adressen und analysieren den Rücklauf. Sie übernehmen damit Aufgaben, die vor allem mittelständische Kunden nicht selbst schultern könnten.   

Wach- und Sicherheitsdienste übernehmen neben dem reinen Objekt- und Werkschutz zunehmend auch Pförtnerdienste. Dienstleister aus dem klassischen Bereich des Glas- und Gebäudereinigerhandwerks haben sich zu Facility-Management-Unternehmen entwickelt, die sich um die Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen kümmern.  

Personaldienstleister unterstützen ihre Kunden bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern und entlasten damit die Personalabteilungen. Sie helfen über Zeitarbeit, kurz- und mittelfristige Personalengpässe zu überbrücken. Damit ermöglichen sie ihren Kunden, flexibel Mitarbeiter einzusetzen, ohne sich langfristig zu binden. Der Boom der Zeitarbeit ist Ausdruck der mangelnden Flexibilität und der hohen bürokratischen Hürden des Beschäftigungssystems. Die Bestimmungen des Kündigungsschutzes hemmen nach wie vor Neueinstellungen. Das Algemeine Gleichbehandlungsgesetz belastet die Personalabteilungen mit erheblichen Dokumentationspflichten bei Vorstellungsgesprächen und Bewerberabsagen.   

Von der Auslagerung eigener Fuhrparks haben zunächst Speditionsunternehmen profitiert. Viele von ihnen haben sich im Laufe der Zeit zu Logistikunternehmen weiterentwickelt, die ihren Kunden in Industrie und Handel heute weitaus mehr anbieten als nur Transportdienstleistungen. Zahlreiche Logistikdienstleister haben mittlerweile die klassischen Kernfunktionen des Großhandels übernommen, von der Lagerhaltung, Kommissionierung und fristgerechten Auslieferung in kleinen Mengen bis hin zu Installationen von technischen Geräten, Retouren- und Reklamationsmanagement und den Vertrieb.  

Callcenter sind durch die Idee entstanden, die in einem Unternehmen eingehenden Anfragen nicht dezentral durch Mitarbeiter in einzelnen Abteilungen, sondern zentral in einer speziell dafür geschaffenen Abteilung aufzunehmen und zu bearbeiten. So waren die telefonischen Bestellannahmen von Warenversandhäusern die ersten Vorläufer moderner Callcenter. Heute erfüllen Callcenter als externe Dienstleister vielfältige Aufgaben für ihre Kunden. Sie übernehmen Auftrags- und Bestellannahmen, telefonische Auskunfts- und Beratungsdienste, führen Marktforschung durch und übernehmen das telefonische Beschwerdemanagement.

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