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Unternehmensnahe Dienstleister im Norden trotzen der Krise

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Wachstum und Beschäftigung legten 2009 Verschnaufpause ein
13.500 neue Arbeitsplätze für 2010 geplant
Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nicht auf Eis legen
Forderungsausfälle erhöhen Insolvenzrisiken


Hamburg, 3. Dezember 2009. „Mit Ausnahme der Logistikwirtschaft übersteht der unternehmensnahe Dienstleistungssektor in Norddeutschland das Krisenjahr 2009 weitgehend ohne größere Blessuren. Zwar sind auch bei vielen Dienstleistern Umsätze und Gewinne kurzfristig weggebrochen, die Auftragslage stabilisierte sich jedoch meist wieder schnell. Die Geschäftserwartungen für 2010 sind zuversichtlich, die Personalpläne sind deutlich nach oben gerichtet." Dies erklärten Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung e.V., und Nikolaus von der Decken, Geschäftsführer von Creditreform Hamburg, auf der Basis der Konjunktur­analyse für den norddeutschen Dienstleistungssektor „DiNo 2009" heute vor Journalisten in Hamburg.

Seit sieben Jahren erheben der AGA Unternehmensverband und die Creditreform-Gesellschaften in Norddeutschland systematisch Konjunkturdaten für den norddeutschen Dienstleistungssektor. In Zusammenarbeit mit dem Verband für Groß-, Außenhandel und Dienstleistungen Niedersachsen (GVN) wurden zum dritten Mal Dienstleister aus ganz Niedersachsen in die Analyse einbezogen. An der Umfrage, die im November 2009 durchgeführt wurde, beteiligten sich 1.097 Dienstleistungsunternehmen aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Der seit sechs Jahren anhaltende Beschäftigungsboom im norddeutschen Dienstleistungs­sektor legte angesichts der Krise eine Verschnaufpause ein. Die Beschäftigungsbilanz für 2009 weist nur noch ein leichtes Plus von 0,2 Prozent auf. Per Saldo haben die überwiegend kleinen und mittelgroßen Dienstleister im Norden im laufenden Jahr rund 2.600 neue Stellen geschaffen. Allerdings gab es unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Regionen. Während Hamburg und Schleswig-Holstein eine negative Beschäftigungsbilanz für 2009 aufweisen, wurden in Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern trotz Krise mehr Stellen geschaffen als abgebaut. 2010 wollen die norddeutschen Dienstleister ihre Belegschaften um durchschnittlich 1,2 Prozent aufstocken. Konkret bedeutet dies die Schaffung von rund 13.500 Arbeitsplätzen. Hamburg und Niedersachsen werden überdurchschnittlich vom Stellenaufbau profitieren. „Die Beschäftigungsbilanz für 2009 und die nach oben gerichteten Personalpläne für 2010 belegen eindrucksvoll die stabilisierende Wirkung des unternehmensnahen Dienstleistungssektors auf dem norddeutschen Arbeitsmarkt", sagte der AGA-Präsident. „Unsere Dienstleister arbeiten mit qualifizierten Mitarbeitern in eingespielten Teams, da wird jeder gebraucht und auch in Krisenzeiten gehalten."

Im Durchschnitt aller Branchen lagen die Umsätze in den ersten zehn Monaten des Jahres um 1,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Die Gewinnsituation hat sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Für das erste Halbjahr erwarten die Unternehmen im Durchschnitt aller Branchen Umsatzsteige­rungen von 2 Prozent, für das zweite Halbjahr sogar von 4 Prozent. Auch bei den Gewinnen wird eine deutliche Besserung im zweiten Halbjahr 2010 erwartet. Der DiNo-Indikator, der die Einschätzung der gegenwärtigen und erwarteten Absatz- und Ertragslage zusammenfasst, ist um 25 Punkte gesunken. Er weist jetzt einen Stand von 104 Punkten auf. Das ist der schlechteste Werte seit Bestehen der Umfrage.

Innerhalb des Dienstleistungssektors haben sich die einzelnen Branchen unterschiedlich entwickelt. Besonders stark schlug die Wirtschaftskrise auf den Logistiksektor durch, der in hohem Maße von Aufträgen aus Industrie und Handel abhängt. Für Logistikunternehmen in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein ist laut Kruse vor allem die Entwicklung des Welthandels von hoher Bedeutung. Der gesunkene Hafenumschlag, insbesondere von Containern, in Bremen, Hamburg und Lübeck hat unmittelbar Auswirkungen auf Transporte nach Mittel- und Osteuropa sowie in den Ostseeraum. Das erklärt den tiefen Absturz des Teilindikators für den Bereich Logistik um 44 Punkte. Er hat jetzt nur noch einen Stand von 82 Punkten und befindet sich damit deutlich im „frostigen" Bereich. „Das darf aber kein Grund sein, für den Norden wichtige Projekte zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur jetzt auf Eis zu legen. Wir brauchen die Fahrrinnenanpassung der Elbe und die Y-Schienentrasse, um die Seehäfen Hamburgs und Bremens mit Hannover zu verbinden. Jeder Monat, den wir verlieren, schwächt die internationale Wettbewerbsposition Nord­deutschlands als führende Drehscheibe für Handel und Logistik in Nordeuropa dauerhaft", mahnte der AGA-Präsident. Mit einem Minus von 13 Punkten weist der Teilindikator für den Bereich Facility, der am wenigsten von der Gesamtkonjunktur abhängig ist, den geringsten Rückgang auf. Die Teilindikatoren für die Bereiche Finanzdienstleistungen, Informationstechnologie, Marketing/Medien und Service sind zwischen 17 und 28 Punkte gesunken.

Mit einem Stellenabbau von 1,9 Prozent ist die Logistik-Wirtschaft der große Verlierer bei der Beschäftigungsentwicklung. Die Personalpläne für 2010 spiegeln die Ungewissheit in dieser Branche wider, sie weisen nur ein Plus von 0,1 Prozent auf. Als besonders krisenrobust hat sich der Bereich Informationstechnologie erwiesen. Dazu zählen u. a. Systemhäuser, Internetdienstleister, Telekommunikationsanbieter und Rechen­zentren. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden die Belegschaften in diesen Bereichen per Saldo um 2,2 Prozent aufgestockt. Für 2010 planen die IT-Dienstleister, ihre Belegschaften durchschnittlich um weitere 3,0 Prozent auszuweiten. Auch die Unternehmen im Bereich Service, der u. a. Personaldienstleister, Cateringunternehmen und Labore umfasst, verzeichneten ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum. Die Bereiche Finanzdienstleistungen und Facility-Management weisen für 2009 ebenfalls eine positive Beschäftigungsbilanz auf; die Personalpläne für 2010 sind deutlich nach oben gerichtet. Auch im Bereich Marketing/Medien, zu denen u. a. Werbeagenturen und Call-Center zählen, gab es keinen Einbruch in der Beschäftigung. In diesem Bereich sind die Personalpläne für 2010 leicht nach oben gerichtet.

Die Finanzierungsbedingungen haben sich für die Mehrheit der unternehmensnahen Dienstleister nicht verschlechtert. Bei den Konditionen der Kreditvergabe schlagen jedoch zunehmend die unterschiedlichen Bewertungen von Branchenrisiken zu Buche, erklärte Nikolaus von der Decken. So müssen 20 Prozent der Finanzdienstleister und 22 Prozent der Logistikunternehmen höhere Risikoaufschläge zahlen, im Durchschnitt aller Branchen sind es 16 Prozent. Von 29 Prozent der Firmen werden höhere Sicherheiten als vor einem Jahr verlangt. 28 Prozent aller Dienstleister berichten über höhere Dokumentationspflichten.

„Das größte Risiko für die Liquidität sind Forderungsausfälle", sagte von der Decken. Bei jedem fünften unternehmensnahen Dienstleister sind die Forderungsausfälle gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im Durchschnitt aller Branchen belaufen sich die Forderungsausfälle derzeit auf 2 Prozent vom Umsatz. Überdurchschnittlich hoch sind sie mit 3,7 Prozent bei den Finanzdienstleistern. Den niedrigsten Wert weisen mit 1,3 Prozent die Unternehmen der Informationstechnologie auf. „Das Liquiditätsrisiko durch Forderungs­ausfälle ist von der Unternehmensgröße abhängig", stellte von der Decken fest. Während Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern Forderungsausfälle in Höhe von 2,7 Prozent vom Umsatz hinnehmen müssen, sind es bei Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern lediglich 0,9 Prozent. „Kleine Unternehmen tragen ein hohes Insolvenzrisiko, weil sie kein systematisches Forderungsmanagement betreiben. Hier besteht dringender Handlungsbedarf", erklärte von der Decken.

Zahlen zum unternehmensnahen Dienstleistungssektor in Norddeutschland:  

In Norddeutschland gibt es derzeit rund 118.400 unternehmensnahe Dienstleister, in denen ca. 1.138.600 Personen arbeiten. Das sind 17 Prozent aller Beschäftigten des unter­nehmensnahen Dienstleistungssektors in Deutschland. In Hamburg sind 274.700 Personen im Bereich der Unternehmens-Dienstleistung tätig. In Schleswig-Holstein sind es rund 171.100 Personen, in Niedersachsen rund 518.300, in Bremen rund 98.200 und in Mecklenburg-Vorpommern rund 76.300 Personen.

Sowohl in Hamburg als auch in Bremen sind überdurchschnittlich viele Mitarbeiter im unter­nehmensbezogenen Dienstleistungssektor tätig. In Hamburg liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 35 Prozent, in Bremen sind es 29 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 20 Prozent, in Schleswig-Holstein 19 Prozent und in Niedersachsen 18 Prozent. Im Bundesdurchschnitt arbeiten 20 Prozent aller Beschäftigten im unternehmensbezogenen Dienstleistungssektor.  

Beschäftigungsentwicklung 2009 und Personalpläne 2010 nach Regionen:

 Den prozentual stärksten Beschäftigungsrückgang weisen die Dienstleister in Schleswig-Holstein mit einem Minus von 0,7 Prozent auf, gefolgt von Hamburg mit einem Minus von 0,4 Prozent. Das entspricht jeweils rund 1.100 Arbeitsplätzen. Positiv ist die Beschäftigungsbilanz in Bremen mit 0,4 Prozent (knapp 400 Arbeitsplätze), in Niedersachsen mit 0,6 Prozent (rund 3.000 Arbeitsplätze) und in Mecklenburg-Vorpommern 1,8 Prozent (fast 1.400 Arbeitsplätze).
  2010 wird es den stärksten relativen Beschäftigungszuwachs mit einem Plus von 1,5 Prozent in Hamburg geben. Das sind rechnerisch 4.100 neue Stellen. Die Dienstleister in Niedersachsen planen 6.600 neue Stellen, das ist ein Plus von 1,3 Prozent. Die Dienstleister in Bremen wollen ihre Belegschaften um durchschnittlich 1,0 Prozent aufstocken, das entspricht 1.000 neuen Arbeitplätzen. Unter dem norddeutschen Durchschnitt wird sich die Beschäftigung mit einem Plus von 0,8 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern entwickeln, das entspricht 600 neuen Stellen. Das Schlusslicht bildet Schleswig-Holstein mit einem Plus von 0,7 Prozent. Die Dienstleister im nördlichsten Bundesland wollen per Saldo rund 1.100 neue Mitarbeiter einstellen.

Rückfragen:

Dr. Holger Eisold
- Pressesprecher -
AGA Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung e.V.
Kurze Mühren 2, 20095 Hamburg
Tel: (040) 30 801 - 151
Mobil: 0160 712 77 38
E-Mail: holger.eisold@aga.de

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