Resolution zur geplanten Schulstrukturreform in Hamburg
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Mittelständische Wirtschaft aus Chemie, Handel, Dienstleistung und Gastgewerbe fordert Schulsenatorin Christa Goetsch auf, die Empfehlungen der Enquete-Kommission umzusetzen
Hamburg 13. Februar 2009. In großer Sorge um die Zukunft der Hamburger Schulbildung und letztlich auch des Standorts Hamburg haben sich am Donnerstag der Arbeitgeberverband für die Chemische Industrie in Norddeutschland (ChemieNord), der AGA Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung, der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Hamburg und der Wirtschaftsverband für Handelsvermittlung und Vertrieb in Hamburg (CDH) mit einem Schreiben an Schulsenatorin Christa Goetsch gewandt und sie aufgefordert, die Empfehlungen der Enquete-Kommission zur Schulpolitik umzusetzen.
Hamburg 13. Februar 2009. In großer Sorge um die Zukunft der Hamburger Schulbildung und letztlich auch des Standorts Hamburg haben sich am Donnerstag der Arbeitgeberverband für die Chemische Industrie in Norddeutschland (ChemieNord), der AGA Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung, der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Hamburg und der Wirtschaftsverband für Handelsvermittlung und Vertrieb in Hamburg (CDH) mit einem Schreiben an Schulsenatorin Christa Goetsch gewandt und sie aufgefordert, die Empfehlungen der Enquete-Kommission zur Schulpolitik umzusetzen.
„Die mittelständische Wirtschaft aus Chemie, Handel, Dienstleistung und Gastgewerbe betrachtet die von Ihnen geplante Schulstrukturreform, insbesondere die Einführung einer für alle Schüler verbindlichen sechsjährigen Primarschule, mit großer Sorge", heißt es in dem Schreiben. „Wir fordern, dass die Gymnasien ab Klasse 5 erhalten bleiben", heißt es weiter. Die Verbände befürchten, dass der radikale Umbau des Schulsystems im Ergebnis zu einer Verschlechterung des Bildungsniveaus in Hamburg führen wird.
Die überstürzte Einführung der Primarschule sei ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Sie binde Ressourcen an der falschen Stelle. Statt Strukturen erneut zu verändern, sollten zunächst die in den letzten Jahren auf den Weg gebrachten Reformen umgesetzt werden und ihre Wirkung entfalten können. Andernfalls drohe den Hamburger Schulen der „Reform-Infarkt". Auch warnen die Wirtschaftsverbände davor, dass Hamburg einen schulpolitischen Sonderweg gehe, der die Schulsysteme weiter auseinander treibe und einen Schulwechsel aus anderen Ländern nach Hamburg und selbst innerhalb der Metropolregion erschwere.
Alle jungen Menschen in Hamburg müssten die bestmögliche Schulbildung erhalten. Es gelte, sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler individuell zu fördern. „Auch wir treten dafür ein, dass der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppelt werden muss. Diese Ziele werden mit der Primarschule nicht erreicht", heißt es in dem Schreiben. Das würden zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die bei diesem wichtigen Zukunftsthema nicht ignoriert werden dürfen, belegen.
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der PISA-Studien habe die Bürgerschaft im Januar 2006 eine parteiübergreifende Enquete-Kommission damit beauftragt, konkrete Empfehlungen zur Erhöhung der Bildungsqualität in Hamburg zu erarbeiten. Die Ergebnisse seien im Februar 2007 vorgelegt worden. Sie bestätigten in Teilen die bereits eingeleiteten Reformen.
Konsens der Experten aus Politik und Wissenschaft vor zwei Jahren sei es gewesen, die Zahl der weiterführenden Schulformen zu reduzieren und in Hamburg nach der vierjährigen Grundschule nur noch die neue „Stadtteilschule" und das Gymnasium anzubieten. Darüber hinaus sollten sich alle Aktivitäten darauf konzentrieren, die Qualität des Unterrichtes zu steigern.
„Diese Reform-Agenda beschreibt eine langfristig angelegte Schulpolitik, die über die Grenzen von Legislaturperioden hinweg gültig sein sollte", heißt es weiter. Auf der Grundlage der Empfehlungen der Enquete-Kommission solle die Hamburger Schulpolitik das Ziel verfolgen, die Qualität im Unterricht in allen Schulformen zu steigern. Dem Schreiben ist eine „Resolution zur geplanten Schulstrukturreform in Hamburg" beigefügt, die folgende konkrete Maßnahmen fordert, um die Stärken des Hamburger Schulsystems auszubauen und seine Schwächen zu beseitigen:
Unterzeichnet wurde das Schreiben von dem Vorsitzenden von ChemieNord Gerd W. A. Stäcker und Hauptgeschäftsführer Peter Helbron, von AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse und AGA-Vorstandssprecher Volker Tschirch, der DEHOGA-Präsidentin Rose Pauly und Hauptgeschäftsführer Gregor Maihöfer sowie von der Vorsitzenden des CDH Ruth Berckholtz und Hauptgeschäftsführer Philipp Krupke.
Anlage: Resolution zur geplanten Schulstrukturreform in Hamburg
Rückfragen:
Dr. Holger Eisold
- Pressesprecher -
AGA Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung e.V.
Kurze Mühren 2, 20095 Hamburg
Tel: (040) 30 801 - 151
Mobil: 0160 712 77 38
E-Mail: holger.eisold@aga.de
Die überstürzte Einführung der Primarschule sei ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Sie binde Ressourcen an der falschen Stelle. Statt Strukturen erneut zu verändern, sollten zunächst die in den letzten Jahren auf den Weg gebrachten Reformen umgesetzt werden und ihre Wirkung entfalten können. Andernfalls drohe den Hamburger Schulen der „Reform-Infarkt". Auch warnen die Wirtschaftsverbände davor, dass Hamburg einen schulpolitischen Sonderweg gehe, der die Schulsysteme weiter auseinander treibe und einen Schulwechsel aus anderen Ländern nach Hamburg und selbst innerhalb der Metropolregion erschwere.
Alle jungen Menschen in Hamburg müssten die bestmögliche Schulbildung erhalten. Es gelte, sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler individuell zu fördern. „Auch wir treten dafür ein, dass der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppelt werden muss. Diese Ziele werden mit der Primarschule nicht erreicht", heißt es in dem Schreiben. Das würden zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die bei diesem wichtigen Zukunftsthema nicht ignoriert werden dürfen, belegen.
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der PISA-Studien habe die Bürgerschaft im Januar 2006 eine parteiübergreifende Enquete-Kommission damit beauftragt, konkrete Empfehlungen zur Erhöhung der Bildungsqualität in Hamburg zu erarbeiten. Die Ergebnisse seien im Februar 2007 vorgelegt worden. Sie bestätigten in Teilen die bereits eingeleiteten Reformen.
Konsens der Experten aus Politik und Wissenschaft vor zwei Jahren sei es gewesen, die Zahl der weiterführenden Schulformen zu reduzieren und in Hamburg nach der vierjährigen Grundschule nur noch die neue „Stadtteilschule" und das Gymnasium anzubieten. Darüber hinaus sollten sich alle Aktivitäten darauf konzentrieren, die Qualität des Unterrichtes zu steigern.
„Diese Reform-Agenda beschreibt eine langfristig angelegte Schulpolitik, die über die Grenzen von Legislaturperioden hinweg gültig sein sollte", heißt es weiter. Auf der Grundlage der Empfehlungen der Enquete-Kommission solle die Hamburger Schulpolitik das Ziel verfolgen, die Qualität im Unterricht in allen Schulformen zu steigern. Dem Schreiben ist eine „Resolution zur geplanten Schulstrukturreform in Hamburg" beigefügt, die folgende konkrete Maßnahmen fordert, um die Stärken des Hamburger Schulsystems auszubauen und seine Schwächen zu beseitigen:
- Das Gymnasium muss zwingend ab Klasse 5 erhalten bleiben.
- Kleinere Klassen und mehr Personal sind Voraussetzung für eine bessere individuelle Förderung aller Schüler. Für den Lernerfolg ist neben einer ausreichenden Ausstattung mit Lehrern insbesondere weiteres Personal notwendig: Sozialpädagogen, Schulpsychologen, Assistenzkräfte, Verwaltungskräfte etc. Darüber hinaus müssen sich Schulen zu einem Lern- und Lebensraum entwickeln, an dem sich Kinder und Jugendliche gerne aufhalten.
- Die individuelle Förderung sowohl von leistungsschwachen als auch von leistungsstarken Schülern muss bereits in der Grundschule erfolgen. Dazu gehört auch ein Fremdsprachenangebot, das von entsprechend ausgebildeten Fachlehrern zu erbringen ist.
- Die Qualität der Lehrerausbildung muss gesteigert werden. Angehende Lehrkräfte sollten vor Beginn des Studiums einen Eignungstest durchlaufen.
- Ausreichende Deutsch-Kenntnisse müssen zwingende Voraussetzung für die Einschulung sein. Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, kann in der Schule nicht lernen. Das bedeutet: Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund oder aus „Problemfamilien" müssen rechtzeitig - also bereits im Kindergarten und in der Vorschule - Sprachunterricht und individuelle Förderung erhalten. Die verbindliche Sprachförderung und der verbindliche Vorschulbesuch sind dazu ein richtiger Ansatz. Diesen Ansatz gilt es weiterzuentwickeln, um noch mehr Kinder länger zusätzlich zu fördern.
- Die naturwissenschaftliche Grundausbildung muss für alle Schüler vertieft werden.
- Der häufige Unterrichtsausfall muss wirksam bekämpft werden.
- Junge Menschen ohne Schulabschluss darf es in Zukunft nicht mehr geben.
Lernschwache und/oder unmotivierte Schüler müssen gezielt unterstützt und individuell gefördert werden. In Stadtteilen, die zu den sozialen Brennpunkten zählen, müssen dazu die Klassen deutlich verkleinert werden, ggf. auf die Größe von kleinen Lerngruppen. Die Lehrer gilt es durch Sozialarbeiter zu unterstützen.
- Zur regelmäßigen Weiterbildung der Lehrer sollten auch Betriebspraktika gehören, damit berufsorientierte Lerninhalte praxisnah vermittelt werden können. Grundkenntnisse über ökonomische Zusammenhänge sollten - mit unterschiedlichen Schwerpunkten - sowohl in der Stadtteilschule als auch an den Gymnasien vermittelt werden. „Wirtschaft" sollte Pflichtfach sein, denn ohne wirtschaftliches Grundverständnis ist es heute kaum noch möglich, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden.
- Damit die Schüler in der Lage sind, ihren Lebens- und Berufsweg eigenverantwortlich zu gestalten, muss die Berufsorientierung insbesondere an den Stadtteilschulen früher einsetzen und ein höheres Gewicht bekommen.
- Die Umsetzung des Orientierungsrahmens Schulqualität als Grundlage der Schulinspektionen und der Ziel- und Leistungsvereinbarungen (ZLV) muss vorangetrieben werden. Das Qualitätsmanagement sollte die Unterrichtsqualität, die Leitung der Schule und die Selbstverwaltung von Schulen, aber auch Konzepte der Personal- und Organisationsentwicklung umfassen.
- Die Schulinspektion als Instrument der Qualitätssicherung und die ZLV sollten künftig alle zwei Jahre durchgeführt werden.
Unterzeichnet wurde das Schreiben von dem Vorsitzenden von ChemieNord Gerd W. A. Stäcker und Hauptgeschäftsführer Peter Helbron, von AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse und AGA-Vorstandssprecher Volker Tschirch, der DEHOGA-Präsidentin Rose Pauly und Hauptgeschäftsführer Gregor Maihöfer sowie von der Vorsitzenden des CDH Ruth Berckholtz und Hauptgeschäftsführer Philipp Krupke.
Anlage: Resolution zur geplanten Schulstrukturreform in Hamburg
Rückfragen:
Dr. Holger Eisold
- Pressesprecher -
AGA Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung e.V.
Kurze Mühren 2, 20095 Hamburg
Tel: (040) 30 801 - 151
Mobil: 0160 712 77 38
E-Mail: holger.eisold@aga.de