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Mitgliederversammlung 2009: Prof. Dennis Snower erläuterte die Wege aus der Finanzkrise

  Prägnant und kurzweilig erläutert Prof. Snower die Ursachen und die Wege aus der Finanzkrise

Prägnant und kurzweilig erläutert Prof. Snower die Ursachen und die Wege aus der Finanzkrise

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Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Prof. Dennis Snower, kam direkt vom Weltwirtschaftsforum in Davos zur AGA-Mitgliederversammlung nach Hamburg. Leider hatte unser diesjähriger Gastredner keine guten Nachrichten im Gepäck. „Die Finanzkrise ist noch nicht überstanden", sagte er den 403 anwesenden Unternehmern und Repräsentanten aus Politik, Konsularkorps, Gerichtsbarkeit, Verwaltung und Wissenschaft, die unserer Einladung zum öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung am 3. Februar ins Hotel Royal Méridien gefolgt waren.

Prägnant und kurzweilig benannte Professor Snower die Quellen der Finanzkrise und zeigte den aus seiner Sicht einzigen Weg auf, die Krise nachhaltig zu überwinden. Der amerikanische Weltökonom aus Kiel kritisierte die planlose Reaktion der Politik auf das Platzen der Immobilienblase in den USA. Die Politiker hätten gewartet, bis eine Finanzinstitution vor der Pleite stand und dann Einzelfallentscheidungen getroffen. Die amerikanischen Behörden hätten AIG überleben lassen, Lehman aber nicht. Freddie Mac und Fannie Mae seien teilverstaatlicht worden, Washington Mutual dagegen mit Garantien verkauft. Die deutschen Behörden hätten Hypo Real Estate eine beschränkte Unterstützung gegeben und als diese nicht ausreichte seien zusätzliche Mittel angeboten worden. Jetzt rede man über Verstaatlichung. „Die verantwortlichen Politiker haben nicht begriffen, wie schädlich solche Planlosigkeit für das Vertrauen ist", erklärte Snower. Snower nannte vier Gründe, weshalb die Finanzkrise längst noch nicht überwunden sei:

1. Unzureichende Regulierung und Aufsicht

Die Regulierung und Aufsicht der Finanzindustrie sei nicht angemessen und einheitlich bestimmt - weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.

2. Übermäßige Schuldenlast
Die Schuldenlast vieler großer Finanzinstitutionen bleibe weiterhin unakzeptabel hoch.

3. Insolvenzproblem
Das Solvenzproblem der Finanzinstitute sei noch nicht gelöst. Die staatlichen Finanzspritzen seien keine Solvenzgarantie der system-relevanten Finanzinstitutionen - also der Finanzinstitutionen, die zu ansteckend sind, um fallengelassen werden zu dürfen. Das Problem dabei: Solch eine Garantie würde den Steuerzahler ein unakzeptabel großes Risiko aufbürden. Außerdem würde es die verantwortungslosen Finanzmanager belohnen. Ohne Solvenzgarantie werde jedoch das Misstrauen unter den Finanzinstitutionen bestehen bleiben, so dass die Kreditklemme anhalte.

4. Übermäßige Last des Steuerzahlers
Der Staat in den betroffenen Ländern versuche, die Finanzinstitutionen eigenständig am Leben zu halten. Riesige Kapitalspritzen und Bürgschaften würden diesen Institutionen ohne angemessene Gegenleistung angeboten. Die Banken würden das Geld an sich reißen - verständlich, weil sie zu hohe Schulden haben -, aber das Geld wird nicht weiter an die Wirtschaft ausgeliehen. Weil die Finanzinstitutionen auf Kosten des Steuerzahlers gerettet würden, werde die finanzielle Position des Steuerzahlers zunehmend prekär.

Wege aus der Krise
Zur Lösung der Finanzkrise ist es nach Auffassung Snowers erforderlich, eine Weltfinanzbehörde zu schaffen, deren Hauptaufgabe darin besteht, internationale Regeln für Finanzinstitutionen aufzustellen und deren Einhaltung zu überwachen. Darüber hinaus fordert er eine staatliche Solvenzgarantie, die jedoch nicht allein vom Steuerzahler finanziert werden dürfe, sondern auch von Gläubigern und Aktionären. Nur damit ließe sich das Problem der Lastenverteilung überwinden.   Darüber hinaus sei eine Reform des Marktes für Rating-Agenturen erforderlich. Dazu zähle die Schaffung gesetzlicher Regelungen, die die Bewertung von Finanzprodukten, an denen die Rating-Agenturen selbst verdienen, verbieten. Schließlich müssten die Markteintrittsbarrieren für Rating-Agenturen gesenkt werden, um mehr Wettbewerb am Markt für Rating-Agenturen zu erreichen.

Redaktion: Dr. Holger Eisold

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