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21. EuropaAbend mit Prof. Dr. Roman Herzog

  Brillant analysierte Prof. Dr. Roman Herzog den gegenwärtigen Zustand der Europäischen Union und das Krisenmanagement der europäischen Regierungen.

Brillant analysierte Prof. Dr. Roman Herzog den gegenwärtigen Zustand der Europäischen Union und das Krisenmanagement der europäischen Regierungen.

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Der ehemalige Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog war Festredner des 21. EuropaAbends des AGA Unternehmensverbandes am Mittwoch im Hotel Grand Elysée. Er sprach vor 270 Gästen aus Wirtschaft, Politik und dem Konsularischen Korps zum Thema „Zu viel EU - zu wenig Europa. Weniger Regulierung - mehr Akzeptanz."

„Wir brauchen und wollen ein stabiles Europa mit kräftigem Euro", sagte AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse in seiner Begrüßung. Die Krise sei eine Finanzkrise, aber keine Eurokrise. Von einer „katastrophalen Euro-Talfahrt" zu sprechen, sei eine mediale Übertreibung. „Für mich als Überseekaufmann handelt es sich eher um eine Normalisierung auf einen langfristigen Durchschnittswert", so Kruse weiter. Von dieser Entwicklung profitierten zur Zeit tendenziell die Exporteure, während die Importeure eher Herausforderungen lösen müssen.

Der Euro sei nicht ökonomisch, sondern eher politisch in Gefahr. „Wir Europäer haben nicht alle Aspekte dieses Projektes vorher ausdiskutiert und nicht für alle Fälle Vorbereitungen getroffen. In der Krise haben sich dann die Euroländer schnell gegenseitig unter hohen politischen Druck gesetzt", führte Kruse weiter aus.

Auch Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren nicht immer um den europäischen Stabilitätspakt verdient gemacht. Es gehe nicht nur darum, die Regeln einzuhalten. Wir müssten auch als Staat dauerhaft nachhaltig wirtschaften und nicht nur zu Lasten der Zukunft leben. Der Wertverlust des Euro sei eine Warnung, so nicht weiterzumachen. Er zeige deutlich die Schwächen des Systems. „Der Stabilitätspakt enthält Klauseln, die man je nach Bedarfslage interpretieren kann", sagte der AGA-Präsident.

„Die Lage in Europa bleibt ernst, solange wir Europäer uneinig sind, solange wir als Staaten bewusst über unsere Verhältnisse leben, solange die Zahlungsunfähigkeit von Staaten droht", heißt es weiter. Es gelte, mit den jetzt zur Verfügung stehenden Gesetzen und Regeln, Exzesse zu verhindern und gemeinsam eine politische Richtung einzuschlagen, die Beständigkeit garantiert. Europa sei und bleibe ein Projekt, für das es sich zu kämpfen lohne. „Wir wollen dieses ‘Projekt Europa‘ leben und seine Bewertung nicht amerikanischen Rating-Agenturen überlassen!", so der AGA-Präsident weiter.   Brillant analysierte Prof. Dr. Roman Herzog den gegenwärtigen Zustand der Europäischen Union und das Krisenmanagement der europäischen Regierungen. „Wir haben zu viel Staat, weil er sich in alles und jedes einmischt. Aber wir haben einen schwachen Staat, weil Bürokratie und Fliegenbeinzählerei eben das genaue Gegenteil von Stärke sind. Der Staat, den wir uns leisten, steht sich selbst auf den Füßen, und mit der EU verhält es sich genau so", sagte der Altbundespräsident.

Nur mit einem starken Europa könnten wir unseren Wohlstand und unsere Werte in der sich neu gestaltenden Welt sichern. „Die Welt beginnt sich in größeren Blöcken zu organisieren, die uns Europäern technisch und wirtschaftlich immer mehr auf den Pelz rücken werden und die vor allem nicht alle unseren politisch-ethischen Überzeugungen anhängen", sagte Herzog. In dieser Situation komme es darauf an, die Kräfte zu konzentrieren und vor allem so zu organisieren, dass notwendigen Entscheidungen nicht auch noch unnötige, nur juristische Probleme im Wege stünden.  

Herzog schlug vor, Europa in zwei Ebenen zu organisieren: Die erste Ebene wäre eine Wirtschaftsgemeinschaft, der tendenziell alle europäischen Staaten angehören könnten. Zusätzlich sollte es eine zweite „Ebene der europäischen Weltpolitik" geben, der viele Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft nicht angehören müssten. Dadurch könnte Europa innerhalb der entstehenden Machtblöcke seine Stimme erheben und für seine Interessen eintreten. „Die EU wäre nach einer solchen Flurbereinigung entschieden stärker, sie hätte wirklich gewichtige Aufgaben und müsste schon deshalb nicht durch Unmengen neuer Vorschriften auf allen möglichen Tätigkeitsfeldern glänzen wollen."  

Dank Unterstützung der HypoVereinsbank wurde der EuropaAbend durch die A cappella comedy Gruppe Lalelu  abgerundet. Auch diese Musiker zählen zu den jungen Nachwuchskünstlern, die im Rahmen der Kulturförderung der HypoVereinsbank auf ihrem Weg in die künstlerische Professionalität begleitet wurden und heute in ganz Deutschland vor ausverkauften Häusern ihr Publikum begeistern.

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