Übersee-Club: Aussichten 2019

Aussichten mit viel Tradition: Am 9. Januar 2019 trafen sich die wichtigsten Vertreter der Hamburger Branchen, um einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen. Der Tenor: 2018 war sehr gut, für 2019 ist man verhalten optimistisch. 

Im Mittelpunkt der Begrüßung von Übersee-Club-Präsident Michael Behrendt stand der Brexit: Er nannte den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union einen dramatischen Einschnitt – gerade für Hamburg und rief die Zuhörer auf, sich gegen den Austritt zu stemmen: „Sie alle, die Sie Verantwortung tragen, in Unternehmen, in der Politik, wo auch immer: Lassen Sie uns mit all unseren Möglichkeiten jetzt diejenigen unterstützen, die in letzter Minute diesen verhängnisvollen Schritt einer so bedeutenden Nation verhindern wollen – zu unser aller Vorteil.“

Als erster Branchenexperte stieg AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse in den Ring. Er beschrieb 2018 als gutes Jahr, auch für den Außenhandel, der drei Prozent mehr Ausfuhren und 3,5 Prozent mehr Importe verzeichnen konnte. Gerade deswegen appellierte er an die Gäste: „Manchen Mitmenschen und insbesondere den Medien möchte ich dringend Dale Carnegies Buch empfehlen: „Sorge Dich nicht – lebe!“. Denn wenn ich in die Zeitung schaue, Radio höre oder Talkshows sehe, überall thematisiert man nur Probleme, Ungerechtigkeiten und Untergangsszenarien. Die Realität in unseren Unternehmen ist eine Andere: die Mitarbeiter und Geschäftsführungen nehmen die Herausforderungen an, trotz Unsicherheiten und immer mehr Bürokratie.“ Seine Prognose für 2019: „1,5 Prozent Wachstum werden wir wohl erreichen.“

Anschließend betrachtete der AGA-Präsident die wichtigsten deutschen Handelspartner – von China bis zu den USA: „Das größte Risiko für die Weltwirtschaft bleibt dabei der Handelskonflikt USA-China. Beim G-20-Gipfel in Buenos Aires hatte man sich auf einen dreimonatigen Waffenstillstand geeinigt, aber sechs Wochen davon sind schon um. Beide Präsidenten können sich keinen Gesichtsverlust leisten und für beide sind die wirtschaftlichen Folgen im Grunde sekundär.“

Zum Brexit bemerkte Dr. Kruse: „Zweieinhalb Monate vorm neuen D-Day, dem Departure-Day wissen wir noch immer in keiner Weise, was passieren wird. Vor lauter Populismus und Gezänk auch innerhalb der Parteien, sind die Briten anscheinend zu keiner rationalen Entscheidung fähig. Aber auch heute Abend ist meine Hoffnung auf den britischen Pragmatismus noch nicht gestorben oder mit John Lennon gesprochen: Everything will be okay in the end. And if it's not okay, it's not the end.“

Auch regionale Themen sprach der AGA-Präsident an. Zum Helmut-Schmidt-Flughafen sagte er: „Verlässliche Fluganbindungen sind für die nord-deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Das heißt: nicht nur wir Alle als privat Reisende, sondern insbesondere die Wirtschaft braucht den Hamburger Flughafen. Mit Sorge beobachte ich, dass einige selbsternannte Weltenretter den Kampf gegen eine weitere Quelle unseres Wohlstands intensivieren.“ Zur Situation der Handelskammer sagte Dr. Kruse: „In der Hamburger Handelskammer hatte vor zwei Jahren ein Unbehagen die Rebellen an die Macht gespült. Versprochen wurde eine transparentere, demokratischere und sparsamere Handelskammer. In zwei Jahren ‚Wirrwarr‘ aber, wurde eine eingeschränkte Transparenz durch mehr Intransparenz und neue Machtkämpfe abgelöst. Statt mehr Demokratie erleben wir eine Politisierung und parteipolitische Glaubenssätze statt wirtschaftlicher Vernunft. De facto sind die Beiträge bisher nicht gesunken, sondern nur ungerecht umverteilt worden. Die Hamburger Wirtschaft zahlt gleich viel, bekommt aber deutlich weniger dafür. Die sogenannte Rückerstattung von 20 Millionen ist die Ausschüttung von Pensionsrückstellungen, die in den kommenden Perioden wieder hereingeholt werden müssen.“ 

Als nächster kam Gunther Bonz, Generalbevollmächtigter der Eurogate GmbH, für die Hafenwirtschaft. Er prognostizierte für 2019 eine Verschiebung der ökonomischen Kräfteverhältnisse zugunsten Asiens: „Wir müssen auspassen, dass der Hamburger Hafen nicht in die zweite Liga absteigt.“ Ein Grund für das schwache Abschneiden des Hafens 2018 war das Gerangel um die Elbvertiefung, aber auch hausgemachte Gründe, wie die schlechte Baustellenpolitik, die Hafenverwaltung, die die Wassertiefen vor den Kais nicht sichergestellt habe oder die explodierenden Kosten für Mieten und Pachten im Hafen. Dennoch sei er verhalten optimistisch: „Nach 8,8 Millionen Containern 2018 werden wir 2019 knapp an neun Millionen herankommen, mit viel Glück sogar erreichen.“

Für den Einzelhandel sprach Andreas Bartmann, Vorsitzender des Fachverbandes Hamburger Einzelhandel und kritisierte die Parkplatz-Vernichtung in der Innenstadt: „Die Leidensfähigkeit der Autofahrer überrascht, dürfte jedoch nun an der Grenze sein. Für viele Händler ist es wichtig, dass ihre Kunden bequem mit dem Auto kommen und ihre Einkäufe leicht transportieren können.“
Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer, dessen Amtszeit im Mai endet, forderte ein Ende des Bürokratiewahnsinns: „Die wachsende Bürokratie wird bei der Wettbewerbsfähigkeit unserer Firmen zu einem ernsthaften Problem.“ Ein Beispiel: Für die Bewerbung um öffentliche Stadtaufträge müssen sich Betriebe auf sechs verschiedenen digitalen Plattformen auskennen. Katzer: „Warum reicht nicht eine?“

Michael Otremba, Chef von Hamburg Tourismus, erwartet, dass die Zahl der Übernachtungen in der Stadt 2019 um drei bis fünf Prozent steigt. Für 2018 werde man voraussichtlich erneut einen Rekordwert verkünden können – mehr als 14 Millionen Übernachtungen. „Die Zahl der internationalen Reisenden wird weiter zunehmen“, sagte Otremba.

Für die Industrie sprach Matthias Boxberger, Präsident des Industrieverbands, von einem „noch guten“ Jahr 2018. „2019 dürften wir eine konjunkturelle Abkühlung spüren“, sagte er. Die Industrie erwarte ein Wachstum von noch knapp zwei Prozent. Boxberger: „Lassen Sie uns die Zeit des Aufschwungs noch nutzen.“

Den Abschluss bildete traditionsgemäß Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Haspa. Er rechnete vor, wo man sein Geld 2018 am besten investiert hätte und dass der DAX doch keine so schlechte Anlagestrategie gewesen ist: „Wer vor fünf Jahren in den DAX eingestiegen ist, kommt auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 2,4 Prozent. Wer gar vor zehn Jahren mitten in der Finanzkrise in die deutschen Standardwerte investiert hat, kann sich im Schnitt über eine Rendite von fast neun Prozent freuen.“ 

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