„Feiner pinkeln“ mit Peter Jensen

Wenn sich jeden Morgen dutzende Lkw vom Hamburger Stadtteil Borgfelde aus in Bewegung setzen, dann springt dem Fußgänger oder Autofahrer der Spruch direkt ins Auge: „Feiner pinkeln.“ Provokant, aber er bleibt im Gedächtnis. „So etwas kannst du dir nur erlauben, wenn du auch leistungsfähig bist“, sagt Martin Jensen selbstbewusst, einer der drei Geschäftsleiter des Hamburger Handelshauses Peter Jensen. „Zuerst konnten wir ihn uns nicht wirklich vorstellen. Meine Brüder und ich haben unsere Frauen gefragt, die alle ,Nein, auf gar keinen Fall!' gesagt haben. Das hat uns motiviert, den richtigen Slogan gefunden zu haben.“

Gut aufgestellt ist das 1912 gegründete Handelshaus für Sanitär, Heizung, Küchen und Ofenbau wirklich. Konsequent haben die Hamburger ihre Position im Norden ausgebaut. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über 19 Standorte in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, in denen es jährlich rund 100 Millionen Euro Umsatz macht.

„Der Mix der verschiedenen Bereiche ist für uns wichtig. Aktuell machen Sanitär, Heizung und Küche mehr als 50 Prozent unseres Geschäfts aus. Küchen sind dabei eine Spezialität, denn es ist der einzige Bereich, in dem wir auch die Montage anbieten. Ofenbau läuft immer, aber am zukunftsträchtigsten sind die erneuerbaren Energien wie Wärmepumpen oder Holz- und Pelletsheizungen“, sagt Martin Jensen.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte Jensen mit der Gründung eines allgemeinen Eisenwarengeschäfts durch den Großvater von Peter, Walter und Martin Jensen, die heute die Geschicke des Unternehmens leiten. Großvater Peter Jensen baut die Firma genau dort auf, wo auch heute noch der Firmensitz liegt – an der Borgfelder Straße 19. Anfang der 1930er-Jahre wurde das Einzelhandelsgeschäft aufgegeben, aus dem Laden in der Anckelmannstraße entstand der erste Ausstellungsraum mit Kohle-, Holz- und Elektroherden und -öfen. Kurze Zeit später wurde der Bereich Sanitär mit aufgenommen, um sich von der Saisonabhängigkeit beim Ofenbau zu lösen.

Nach einer schwierigen Wiederaufbauphase nach dem Krieg zählte das Unternehmen in den 1970ern schon 140 Mitarbeiter und das Gelände wurde großzügig ausgebaut. Bekannt ist Peter Jensen für seine Abholterminals, wo Handwerker ihre Waren schnell und direkt aufladen können. In den folgenden Jahren expandiert das Unternehmen konsequent in Richtung Ostdeutschland und eröffnet in Wismar, Rostock, Schwerin und Stralsund weitere Standorte. Seit 2009 ist Peter Jensen mit einer Niederlassung in Seevetal auch in Niedersachsen vertreten.

Aktuell ist Martin Jensen nicht unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage, aber dennoch: „Wir könnten noch mehr Umsatz machen. Aber es gibt zu wenig Handwerker, die unsere Produkte einbauen können. Das ist ein echter Engpass.“ Diesen Fachkräftemangel lässt der Geschäftsleiter bei sich im Unternehmen erst gar nicht zu: „Wir haben sehr früh auf solche Herausforderungen reagiert und noch mehr ausgebildet als früher. Neue Mitarbeiter von außen zu holen, ist schwierig. Es ist besser, wenn man seine zukünftigen Fachkräfte selber fit macht. Unser Vorteil ist, dass Hamburg Magnetwirkung hat. Da ist es an anderen Standorten deutlich schwieriger.“

Was überall auffällt – bei Peter Jensen wird der Begriff Familienunternehmen gelebt. Nicht nur, dass der Betrieb auch nach 102 Jahren immer noch fest in Familienhand ist, jeder Mitarbeiter fühlt sich als Teil des Unternehmens, als Familienmitglied. Das bestätigt auch Kati Korn, Buchhalterin bei Peter Jensen und schon seit 13 Jahren im Team. „Peter Jensen ist ein menschliches Unternehmen. Man hat, egal in welcher Lage, immer den Rückhalt und das Vertrauen der Firma. Deswegen fühle ich mich so wohl hier“, sagt die 37-Jährige. Von ihrem Chef wird Kati Korn augenzwinkernd gerne „der kleine Wadenbeißer“ genannt, denn sie ist dafür zuständig, dass die Forderungen des Unternehmens auch wirklich in den Kassen landen. „Eigentlich ist die Zahlungsmoral ganz gut, wenn man das mit der Situation 2008 und 2009 vergleicht. Aber ein immer größer werdendes Problem sind die Insolvenzanfechtungen.“

Ebenfalls ein echtes Jensen-Urgestein ist Vertriebsleiter Markus Hoffmann – und das trotz seiner erst 40 Jahre. Seit 20 Jahren ist er dabei und heute für den „schmutzigen Bereich hinter der Wand“ zuständig, also für Rohre, Ventile oder Armaturen. Was seinen Job so spannend macht, ist der direkte und schnörkellose Kontakt zu den Handwerkern: „Man kennt sich teilweise seit Jahren und Jahrzehnten. Da gibt es immer eine direkte Ansprache bis hin zum vertrauten ,Du'.“ Auch wenn in Zeiten des Internets die Lage nicht einfacher wird und viel mehr Aufwand notwendig ist, um den Kunden zufriedenzustellen, sieht Markus Hoffmann die Entwicklung in seinem Bereich positiv: „Der Kunde kommt meist mit einer klaren Vorstellung zu uns. Auch wenn das Internet ein starker Konkurrent ist, wir bieten mehr.“

Zum Club der 20-Jährigen gehört auch Jörg Schönau. Der 44 Jahre alte Lagerleiter ist Herrscher über das 36.000 Quadratmeter große Lager. „Wir können von hier aus 52.000 Produkte – von der kleinsten Muffe bis hin zum 1.500-Liter-Tank – liefern“, sagt Schönau. Die Peter-Jensen-Flotte umfasst 52 Lkw, die täglich die Standorte auf Usedom und Sylt sowie in Flensburg und Hannover beliefern. Ein echtes Ärgernis ist für Jörg Schönau die Lage auf den Straßen im Norden. „Katastrophal. Wir fahren hier morgens um drei los, da geht es noch mit dem Verkehr, aber auf dem Rückweg wird es sehr schwer. Als die Rader Hochbrücke saniert wurde, war das für uns der Supergau.“

Direkter Kundenkontakt auf Augenhöhe, familiäres Miteinander im Unternehmen – da lässt es sich auch gut feiern. Eine schöne Halle, entstanden aus einem Lager aus den 1930er-Jahren, bietet die besten Voraussetzungen. Besonders beliebt wie auch ungewöhnlich ist das Oktoberfest Hamburg bei Peter Jensen, das ganz traditionell jedes Jahr im September gefeiert wird. Einer der Höhepunkte des Events ist, wenn die drei Chefs auf die Bühne steigen und für ihre Gäste singen.

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