„Wir sind eine große Bananenfamilie.“

Wenn wir an Bananen denken, stellen wir uns riesige Plantagen, sanft wogende Stauden und subtropisches Klima vor. Dabei ist der Regenwald näher als jeder Hamburger denkt, denn mitten in der Hansestadt, direkt am Oberhafen, reifen täglich Tausende Bananen.

In der Halle der Afrikanischen Frucht-Compagnie (AFC) auf dem Gelände des Großmarkts befinden sich acht Reifekammern, in denen auf je 24 Paletten mit jeweils 48 Kartons (jeder 18,1 Kilo schwer) mehrere Hunderttausend Bananen in der Woche für den Verzehr vorbereitet werden können. Sie kommen nach einer rund 12-tägigen Schiffsreise aus Kolumbien oder 17-tägigen Fahrt aus Ecuador in komplett grünem Zustand im Hamburger Hafen an. „Damit ist auch das Märchen widerlegt, dass die Bananen während der Schiffsreise reifen und gelb den Hafen erreichen“, sagt Ronald Pries, Qualitätsmanager bei der AFC.

Auf den Paletten werden die Bananen in die Reifekammern, die wie lang gezogene Garagen aussehen, gefahren und bei einer Temperatur von 14 bis 17 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit langsam gereift. „Auf dem Schiff werden die Bananen schlafen gelegt, wir wecken sie dann vorsichtig wieder auf. Das dauert rund fünf bis sieben Tage“, erklärt Reifemeister Coskun Tatar, der seit 25 Jahren auf dem Großmarkt von allen nur Joschi gerufen wird. Zusätzlich wird den Früchten noch kurzzeitig ein natürliches Gasgemisch zugesetzt. Das gibt den Bananen einen Reifeschub. Die Kunst des Reifemeisters besteht dann darin, die Temperatur so zu steuern, dass die für den Verkauf individuell gewünschte Farbstufe stets garantiert ist. Wenn die Früchte bereit sind, werden sie an den Großmarkt oder Einzelhändler in der Region ausgeliefert.

Doch das Reifen der Bananen in Hamburg ist nicht das Hauptgeschäft des Handelsunternehmens, das mit der Mitgliedsnummer 1 und dem Eintrittsdatum 1. Januar 1949 (zunächst in die WGA) das älteste Mitglied im AGA Unternehmensverband ist. „Das Geschäft mit dem Reifebetrieb hat heute nicht mehr die Bedeutung, wie früher. Da werden gerade mal 5000 Kartons in der Woche gereift“, sagt Jörg Doberstein, Geschäftsführer der Afrikanischen Frucht-Compagnie. Ganz groß ist das Unternehmen mit seinen 13 Mitarbeitern beim Handel mit Bananen. Die AFC arbeitet direkt mit Plantagen in Lateinamerika zusammen, lässt die Früchte per Charterschiff nach Hamburg oder Vlissingen in Holland transportieren, erledigt alle Import- und Zollformalitäten und lässt die Bananen in den Häfen abholen. Von dort gehen sie dann in andere Reifereien und in den Einzelhandel. „So gehört die AFC zu den bedeutendsten Importeuren von Bananen nach Deutschland, von wo aus Teilmengen weiter transportiert werden nach Mittel- und Nordeuropa, also zum Beispiel in die Benelux-Staaten, nach Skandinavien, aber auch nach Polen“, berichtet Stefan Kolb, ebenfalls AFC-Geschäftsführer. Damit erreicht das Unternehmen einen Gesamtumsatz von über 100 Millionen Euro im Jahr.

Erstaunlich ist auf den ersten Blick, dass die Afrikanische Frucht-Compagnie keine einzige Banane mehr aus Afrika bezieht. „Das ist in unserer sehr bewegten Geschichte begründet“, berichtet Doberstein. Begonnen hatte diese mit der Firmengründung 1912, als Tochter der Reederei Laeisz, mit dem Anbau und Transport von typisch afrikanischen Produkten wie Gummi oder Palmöl, aber auch getrockneten Feigenbananen aus Kamerun. In den 20er-Jahren kamen dann mit dem Einsatz von eigenen Kühlschiffen frische Bananen hinzu. „Wir haben damals eine eigene Infrastruktur in dem Land aufgebaut, vom Hafen über ein Krankenhaus, einem Kindergarten, bis hin zu Eisenbahnen. Das alles steht noch heute, gehört aber heute französischen Unternehmen“, erzählt Doberstein. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das so mühsam aufgebaute Geschäft enteignet, konnte aber bei einer Versteigerung in London wieder zurückgewonnen werden. Doch der 2. Weltkrieg machte erneut alles zunichte. Die AFC stand wieder am Anfang.

In den 50er-Jahren kaufte das Unternehmen Land in Liberia und baute dort eine eigene Plantage auf. Doch auch hier schlug das Schicksal hart zu: Ein aggressiver Pilz befiel die Plantage und vernichtete sie. „Dort können nie wieder Bananen angebaut werden“, erklärt Kolb. Das war das Ende des Engagements der AFC in Afrika. Von da an arbeitete das Unternehmen mit Plantagen in Südamerika zusammen, besaß selber keine und ließ die Bananen mit Charterschiffen nach Deutschland bringen.

Der nächste wichtige Schritt in der Entwicklung des Handelshauses war die Anlieferung der Bananen in Kartons ab 1967. Bis dahin kamen sie in Büscheln. Genau die Kartons, in denen wahrscheinlich schon jeder von uns einen Umzug zuverlässig durchgeführt hat. „Wegen der Kartons konnte man den Bananen ein eigenes Label, eine eigene Marke geben. Unsere war ab 1968 Onkel Tuca, der familienfreundliche Bananenmann“, sagt Doberstein. Zitat aus der Werbung: „Schön für Eltern, das zu wissen: Onkel Tuca ist berühmt als ,bananero‘ und als großer Freund der Kinder. Er kann am besten beurteilen, was für Kinder gut ist und was sie mögen.“ 1995 wurde die Marke noch einmal erneuert, bekam frischere Farben und eine dem Zeitgeist angepasste Erscheinung. Und auch heute noch bürgt die Marke Onkel Tuca für Qualität und ist eine der bekanntesten in Deutschland.

Der Handel mit den Früchten ist für Jörg Doberstein und Stefan Kolb immer noch ein aufregender Job: „Unsere Arbeit stellt uns jede Woche vor neue Herausforderungen. Dazu haben wir ein Produkt, hinter dem wir stehen. Denn wir handeln mit Gesundheit. Ich esse gerne Bananen. Es geht nichts über einen Smoothie aus Bananen und Mango“, sagt Doberstein stolz. Das Geschäft basiert auf Vertrauen und Kommunikation. „Wir suchen gezielt mittelständische Familienunternehmen in Südamerika. Mit vielen hat sich eine lange Freundschaft entwickelt. Wir sind eben eine große Bananenfamilie.“

Mit dem AGA verbindet das Unternehmen mittlerweile eine mehr als 65-jährige Zusammenarbeit. „Der AGA ist für uns ein zuverlässiger und kompetenter Begleiter in allen Fragen der Beratung und der Tarifpolitik. Die Zusammenarbeit war in all den Jahren höchst verlässlich.“

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