12.03.2026

Raus aus dem Energiesparmodus: Zufriedenheit und Retention im Unternehmen

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Viele Beschäftigte machen laut aktueller Gallup-Studie „Dienst nach Vorschrift" im Energiesparmodus – mit milliardenschweren Folgen für die Volkswirtschaft. Wir zeigen, was hinter den Zahlen zur emotionalen Bindung und Zufriedenheit steckt und welche Stellschrauben Arbeitgeber jetzt nutzen können.

An Arbeitsplätzen regiert hierzulande häufig weiterhin nur „Dienst nach Vorschrift“, wie die aktuelle Gallup-Studie herausfand. Und das kostet die Volkswirtschaft viel Geld. Die Gruppe derer, die innerlich bereits gekündigt hätten, habe 2025 volkswirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 Milliarden und 142,3 Milliarden Euro verursacht, ergaben Berechnungen des Instituts Gallup für den jährlich erscheinenden Gallup Engagement Index. Unternehmen und HR-Verantwortliche geraten angesichts dieser Zahlen in einen Spagat zwischen Alarmismus und Realismus. Wir schauen hinter die Studie und auf geeignete Schritte, um dem Trend als Arbeitgeber entgegenzutreten.

 

Emotionale Distanz als Produktivitätsrisiko

Die große Mehrheit der Beschäftigten sei emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und erfülle ihre Aufgaben pflichtgemäß, ohne sich darüber hinaus einzubringen, heißt es in der jährlich erscheinenden Untersuchung zur Motivation und emotionalen Bindung von Beschäftigten in Deutschland. 77 Prozent der Mitarbeitenden hätten eine schwache emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Stark gebunden und damit bereit, täglich einen Schritt mehr zu gehen, seien nur zehn Prozent. Damit wird der schlechte Wert aus dem Jahr 2024 um jeweils einen Prozentpunkt überboten. Besonders alarmierend ist, dass die emotionale Bindung sich auch auf den Krankenstand auswirke. Die Gruppe derjenigen, die sich innerlich bereits verabschiedet haben, komme 2025 auf 9,7 Krankheitstage. Diejenigen mit hoher Bindung brachten es nur auf 5,6 Tage.

 

Führung als Schlüssel zur Bindung

Die Gallup-Experten geben dafür weniger den Beschäftigten, als der jeweiligen Unternehmensführung die Schuld. Geringe emotionale Bindung sei kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem, erklärt Studienleiter Marco Nink und führt aus: „Hier liegt erhebliches Potenzial brach. Emotionale Mitarbeiterbindung ist kein Nice-to-have, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Sie erhöht die Produktivität und senkt Kosten, indem sie Fehlzeiten und Fluktuation reduziert. Viel zu viele Beschäftigte in Deutschland arbeiten jedoch im Energiesparmodus, trotz des insgesamt positiven Urteils über ihre Arbeitsbedingungen.“

 

Aufwärtstrend: Stabilität und Zufriedenheit

Auch wenn die Zahlen der Gallup-Studie alljährlich wie ein Schreckgespenst durch HR-Abteilung spuken, muss das Thema richtig eingeordnet werden. Denn emotionale Bindung ist nicht alles, wie die Zahlen zeigen: Trotz der geringen Bindung zum Arbeitgeber gibt es einen Wunsch nach Stabilität. Arbeitnehmende wollten wieder länger bei ihren Unternehmen bleiben. Nachdem im vergangenen Jahr nur die Hälfte der Befragten auch ein Jahr später noch bei ihrem Arbeitgeber tätig sein wollte, ist dieser Anteil auf 56 Prozent gestiegen. Dennoch bleibe die Bereitschaft, weiter beim derzeitigen Unternehmen zu arbeiten, deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. 2018 lag sie etwa bei 78 Prozent.

Hinzukommt, dass emotionale Bindung leicht mit Zufriedenheit zu verwechseln ist. Die Annahme, wer zufrieden mit seiner Tätigkeit und seinem Arbeitsumfeld sei, ist emotionaler an den Arbeitgeber gebunden, bestätigt die Studie nicht. Denn die Zufriedenheit der Beschäftigten ist weitaus stärker ausgeprägt und mehr gestiegen als die emotionale Bindung. 27 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer Tätigkeit äußerst zufrieden und 47 Prozent sind zufrieden mit dem, was sie täglich tun.

 

Ansatzpunkte im Unternehmen

Damit die Zufriedenheit im Unternehmen und damit die Retention steigt, gibt es einige Handlungsfelder, an denen Unternehmen ansetzen können. Der AGA Unternehmensverband bietet seinen Mitgliedern eine Vielzahl von Möglichkeiten. In kostenfreien PraxisForen und vertiefenden Seminaren sprechen wir z. B. im März und im Mai 2026 mit Coach Florian Breitenbach über Neurodiversität im Unternehmen und darüber, wie HR-Prozesse (Recruitment, Onboarding, Bindung) neuroinкlusiv gestaltet werden können. Denn Studien legen nahe, dass alle Beschäftigten sich am Arbeitsplatz wohler fühlen, wenn auch an besondere Bedürfnisse gedacht wird – auch wenn sie selbst nicht betroffen sind. Awareness und Inklusion können folglich ein positiver Hebel im Employer Branding sein.

Themen wie Employer Branding, Benefits oder das betriebliche Eingliederungsmanagement nach längerer Krankheit haben AGA und INW Campus regelmäßig im Portfolio. Ein besonders aussagekräftiger Hebel sind Befragungen der eigenen Belegschaft. Hier setzt der AGA mit seinen Tool GBpsych und seinen Zertifizierungen an, um Unternehmen einen aussagekräftigen Überblick der Zufriedenheit im Betrieb zu geben und auf mögliche Risiken und Handlungsfelder hinzuweisen – immer nah an der Realität kleiner und mittlerer Unternehmen.

 

PraxisForen

18. März 2026: ⁣Azubis finden statt suchen: Employer Branding Strategien für KMU mit Janis Wemhöner

19. März 2026: ⁣Neurodiversität in Führung & HR mit Florian Breitenbach

26. März 2026: ⁣Smart abgesichert: Zukunftsfähige Vorsorge für kleine Unternehmen mit dem AGA Versorgungswerk

31. März 2026: ⁣Arbeitsrecht: BEM mit RAin Lisa Aepler

--> alle Termine

 

Befragungen & Zertifizierungen

Online-Befragung zur ⁣Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung | AGA Unternehmensverband

Employer Branding-Siegel mit Beschäftigtenbefragung für Arbeitgeber und Ausbilder: ⁣AGA-Siegel | AGA Unternehmensverband

 

Seminare & E-Learnings

20. April 2026: Arbeitsrecht: Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) mit RAin Lisa Aepler

12. Mai 2026: Neurodiversität am Arbeitsplatz: Führung und HR-Prozesse wirksam gestalten mit Florian Breitenbach E-Learning: 

E-Learning: Konfliktmanagement für Führungskräfte

E-Learning: Mitarbeitende motivieren

E-Learning: Feedback geben

E-Learning: Neu in der Führungsrolle

E-Learning: Teamentwicklung erfolgreich gestalten

--> alle Termine und E-Learnings

 

Hintergrund der Gallup-Studie

Der Engagement Index wird von Gallup seit 2001 jährlich erstellt. Für die jüngste Untersuchung wurden zwischen dem 18. November und 20. Dezember 1.700 zufällig ausgewählte Beschäftigte ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Die Ergebnisse sind Gallup zufolge repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland ab 18 Jahren. Der aktuelle Bericht kann hier auf der Website von Gallup heruntergeladen werden. 

Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

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Julie Christiani
Geschäftsführerin Digitalisierung & Innovation
Tel.: 040 30801-149