27.04.2020

Norddeutsche Unternehmen bangen weiter um ihre Existenz – AGA fordert mehr Einheitlichkeit bei Maßnahmen

Pressemitteilungen | Studien

Die Lage im norddeutschen Groß- und Außenhandel sowie im unternehmensnahen Dienstleistungssektor ist weiterhin dramatisch. Dennoch ist durch die jüngsten Lockerungen des Shutdowns erste Zuversicht bei den norddeutschen Unternehmen spürbar. Das ergab eine Blitzumfrage des AGA Unternehmensverbandes unter seinen 3.500 Mitgliedsunternehmen, die am 21. und 22. April 2020 durchgeführt wurde.

„Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdowns stürzen die Händler und Dienstleister in eine noch nie dagewesene Krise. Doch durch die am Montag umgesetzten Lockerungen schöpfen viele Unternehmer neue Hoffnung und arbeiten mit ihren Beschäftigten umso härter daran, ihren Betrieb retten zu können“, sagte AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse heute bei der Vorstellung einer aktuellen Umfrage in Hamburg.  

Auf die Frage, wie lange die Betriebe vermutlich die aktuelle Situation noch bewältigen können, antworteten 10 Prozent der norddeutschen Unternehmen, dass das noch rund zwei bzw. vier Wochen (also bis ca. Mitte/Ende Mai) möglich ist und 6 Prozent schaffen es noch sechs Wochen (Anfang Juni). Eine Mehrheit der Betriebe (72 Prozent) hält unter den jetzigen Bedingungen mehr als zwei Monate durch, bzw. unbegrenzt (22 Prozent). „Das ist eine deutliche Verbesserung zu unserer Umfrage vor vier Wochen, als nur 50 Prozent angaben, länger als acht Wochen bzw. unbegrenzt durchhalten zu können. Auch hier zeigt sich eine erste Zuversicht auf eine baldige Verbesserung“, so Dr. Kruse. 

Kurzarbeit wird von den norddeutschen Händlern und Dienstleistern intensiv genutzt: 40 Prozent der Unternehmen haben schon Kurzarbeit beantragt, 26 Prozent werden dies vielleicht noch tun, rund 32 Prozent haben dies nicht vor. „Kurzarbeit bleibt das überlebenswichtige Arbeitsmarktinstrument, um die Beschäftigung auf hohem Niveau zu halten und die Unternehmen durch die Krise zu führen“, sagte AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch. Bei rund 19 Prozent der Unternehmen wird zu 100 Prozent kurzgearbeitet, bei 16 Prozent bis zu 80 Prozent und eine große Zahl von Unternehmen (65 Prozent) sind bis zu 60 Prozent in Kurzarbeit. „Für unsere Wirtschaftsstufen, die vor Corona kaum Kontakt mit Kurzarbeit hatten, sind diese Werte unfassbar hoch“, so Tschirch. Das hohe Volumen der tatsächlichen Kurzarbeit sei vor allem deshalb erstaunlich, weil die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen nur mittelbar durch den Shutdown betroffen waren oder sind. „In zahlreichen Branchen fehlen uns jetzt die Kunden, beispielsweise aus Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungen. Diese Unternehmen brauchen dringend weitere staatliche Hilfen und eine echte Perspektive, wann es dort unter Auflagen weitegehen kann“, so Tschirch.  

Die von Bund und Ländern veranlassten „Corona-Soforthilfen“ kommen bei den Unternehmen in Norddeutschland offenbar an: So gaben 43 Prozent der Betriebe an, dass die versprochen Hilfen schon bei ihnen eingetroffen sind, bei 57 Prozent noch nicht. Die Agenturen für Arbeit werden vielfach für die schnelle Abwicklung der Anträge und eine zuverlässige Beratung gelobt. „Unsere Verwaltungen machen einen durchweg einen beeindruckenden Job. Hohes Arbeitsaufkommen und vielfach auch die erschwerten Bedingungen von Homeoffice und ohne direkten Kundenkontakt. Das verdient unsere Anerkennung“, so AGA-Präsident Dr. Kruse. Auch die Zusammenarbeit mit den Banken wird überwiegend positiv bewertet: 68 Prozent der Unternehmen sagten, dass die Zusammenarbeit mit den Banken bei der Vergabe von Krediten gut oder sehr gut läuft. Allerdings besteht hier deutlich Luft nach oben, denn fast jeder fünfte Befragte gab an, dass die Zusammenarbeit schlecht oder sehr schlecht ist. „Die Regulierung der Banken würgt viele Gestaltungsmöglichkeiten ab“, so Dr. Kruse.  

Gute Noten für ihr Krisenmanagement bekommen die Bundes- und Landesregierungen: 59 Prozent der Unternehmen sagen, dass die getroffenen Maßnahmen völlig ausreichend bzw. ausreichend sind, 25 Prozent erachten sie als nicht ausreichend bzw. gar nicht ausreichend. Gerade die jetzt umgesetzten Lockerungsmaßnahmen werden von den Unternehmen mehrheitlich begrüßt: 58 Prozent sind damit zufrieden bzw. sehr zufrieden, 21 Prozent sind damit nicht oder gar nicht zufrieden. „Kritisiert wird aber von unseren Mitgliedern, dass der Föderalismus viele Maßnahmen konterkariert und Deutschland somit einem Flickenteppich gleicht. Das bremst Planbarkeit und Transparenz für die Unternehmer. Bund und Länder müssen bei der Abwehr der ökonomischen Folgen der Pandemie einheitlicher handeln“, so Dr. Kruse.  

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