08.04.2020

Wirtschaftskrise trifft Händler und Dienstleister im Norden hart – Unternehmen korrigieren ihre Personalpläne

Pressemitteilungen | Studien

In einem stark von der weltweiten Corona-Krise geprägten 1. Quartal mussten die norddeutschen Unternehmen aus Handel und Dienstleistung ein erneutes Umsatzminus von nominal 1,1 % (real: -1,7 %) verkraften – nach einem nominalen Umsatzminus von 3,0 % (real: -3,4 %) im Vorquartal. Das zeigt eine Befragung, die der AGA Unternehmensverband zwischen dem 24. März und 3. April 2020 durchgeführt hat.

Der AGA-Indikator befindet sich gegenüber dem 4. Quartal 2019 im freien Fall: er stürzt von 103,9 auf 67,5 Punkte und erreicht damit einen historischen Tiefststand. Damit befindet er sich sogar noch unter dem Jahresdurchschnittswert von 2009, als der Indikator in Folge der Finanzkrise auf 74,6 Punkte gefallen war. Händler und Dienstleister in Norddeutschland blicken aufgrund der Corona-Krise pessimistisch in die Zukunft: Bis zum 30. September 2020 erwarten 80 % der Unternehmen einen Umsatzrückgang, nur 3 % rechnen mit steigenden Umsätzen. 79 % prognostizieren sinkende Gewinne, lediglich 2 % der Betriebe gehen von höheren Gewinnen aus.
 
„Die Corona-Krise trifft die Unternehmen mit voller Wucht“, sagte AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse heute bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. „Groß- und Außenhändler nehmen eine zentrale Scharnierfunktion zwischen Real- und Finanzwirtschaft wahr. Wir finanzieren durch längere Zahlungsziele unsere Kunden im Handwerk und durch alle anderen Wirtschaftsbereiche. Wenn unsere Kunden nicht zahlen können, schlägt das zunächst auf unsere Wirtschaftsstufe durch und quasi in einem Dominoeffekt dann auf die Finanzwirtschaft. Um dies zu verhindern, brauchen wir eine sichere Perspektive, wann wir schrittweise unsere Wirtschaft wieder ans Netz nehmen. Österreich kann dabei eine Orientierung geben“, so AGA-Präsident Dr. Kruse. 
 
Ergänzend zur Konjunkturanalyse hat der AGA seine Unternehmen danach gefragt, worauf es ihnen und ihren Beschäftigten in der Corona-Krise besonders ankommt. Die Möglichkeit zum Homeoffice, also zu mobiler Arbeit, ist für 67 Prozent wichtig und aktuell vielfach betriebliche Realität. 54 Prozent antworteten mit Kurzarbeit und 53 Prozent mit Liquidität bzw. Bürgschaften. Auch Digitalisierung bzw. Cloudtechnologie sowie die Stundung der Steuerschuld sind für jeweils knapp ein Viertel der Unternehmen primäre Themen (Mehrfachnennungen waren möglich).
 
Auch auf dem Fachkräftemarkt wird sich die Situation verändern. „Vor wenigen Wochen brannte der Fachkräftebedarf unseren Unternehmen auf den Nägeln. Aktuell suchen nur noch 29 Prozent unserer Unternehmen Fachkräfte, vor allem in der IT“, so Tschirch. Dies ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr, als es noch 73 Prozent waren, die zusätzliche Fachkräfte suchten. Ein gleicher Trend zeigt sich bei der Zahl der neu zu besetzenden Stellen. Sollten im vergangenen Jahr im Durchschnitt noch 4,5 Stellen neu besetzt werden, sind es nun lediglich 2,4 Stellen.

Der AGA Unternehmensverband vertritt die Interessen von 3.500 Mitgliedsunternehmen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. In diesen Unternehmen sind rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit einem Jahresumsatz von 288 Milliarden Euro ist der gesamte Groß- und Außenhandel eine der Schlüsselbranchen in Norddeutschland.

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