02.06.2016

Durchwachsenes Jahr für den Groß- und Außenhandel

Pressemitteilungen | Studien

Die norddeutschen Unternehmen des Groß- und Außenhandels bleiben optimistisch: 59 Prozent der Betriebe gehen bis Ende September von steigenden Umsätzen und 26 Prozent auch von steigenden Gewinnen aus. Nach einem versöhnlichen Jahresabschluss 2015 mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent trübte sich im 1. Quartal 2016 die Stimmung im norddeutschen Groß- und Außenhandel wieder ein. Das Umsatzplus lag bei nur 0,9 Prozent. Der AGA-Indikator fiel um knapp 6 Punkte auf 113,7 Punkte. Das ist das Ergebnis des AGA-Wirtschaftstests.

„Die norddeutsche Wirtschaft steckt in einem herausfordernden Jahr. Als Stichworte dabei sind die Eurostabilität, der mögliche Brexit oder die Flüchtlingsproblematik zu nennen. Zwar befindet sich der AGA-Indikator immer noch im positiven Bereich, aber der Wert zeigt uns, dass wir auch vor vielen Herausforderungen stehen“, sagte Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbandes, heute auf der AGA-Pressekonferenz in Hamburg. 

In der Hansestadt stieg der Umsatz im 1. Quartal 2016 um 0,6 Prozent. Für die nähere Zukunft bleiben die Hamburger Händler ebenfalls optimistisch: 55 Prozent gehen von mehr Umsatz in den kommenden Monaten aus und 24 Prozent prognostizieren mehr Gewinne.

38 Prozent der befragten norddeutschen Unternehmen suchen aktuell Fachpersonal. 2015 waren es nur 33 Prozent gewesen. Knapp über dem norddeutschen Durchschnitt liegt Hamburg mit 40 Prozent. Auch die Zeit, die die Unternehmen benötigen, um vakante Stellen zu besetzen, hat sich verlängert. Vor einem Jahr waren es durchschnittlich 9 Wochen, heute sind es 10,5 Wochen. In diesem Punkt liegt Hamburg mit 9,7 Wochen etwas unterhalb des Durchschnitts. „Die Situation auf dem Fachkräftemarkt wird nicht besser. Sie kann nur schlechter werden, wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut“, unterstrich Dr. Kruse.

Eine Umfrage unter den 3.500 AGA-Mitgliedsbetrieben ergab, dass der Handel der Digitalisierung gegenüber in weiten Teilen positiv eingestellt ist und schon zahlreiche Maßnahmen ergriffen hat, um die Chancen zu heben. „In besonderem Maße sehen wir bei kleineren und mittleren Unternehmen den Bedarf, die eigenen Mitarbeiter zu schulen und damit die eigenen Kompetenzen zu stärken“, sagte AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch.

Aber auch von politischer Seite gibt es Handlungsbedarf: „Die Bundesregierung hat ihre Hausaufgaben leider noch nicht gemacht. Zwar wird immer wieder betont, wie wichtig die Digitalisierung für die Wirtschaft und ein flächendeckender Glasfaserausbau seien. Aber die Digital-Bilanz der vergangenen zwei Jahre ist – vorsichtig ausgedrückt – schwach. Wenn das Tempo der Digitalisierung weiter in ‚Modem-Geschwindigkeit‘ bleibt, verliert der Standort Deutschland den Anschluss – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb fordert der AGA: Schnelles und entschlossenes Handeln in Sachen ‚Breitband für alle‘ ist angezeigt. Bund und Länder müssen jetzt investieren, um unser Land zukunftssicher zu machen“, so Tschirch.

„Es gibt einige Punkte, in denen die EU und die USA bei den TTIP-Verhandlungen noch weit auseinanderliegen – also gibt es noch viel zu tun. Wir sollten die Verhandlungspartner für zügige und zielführende Verhandlungen stärken. Frau Merkels Auftrag, TTIP bis zum Ende des Jahres unterschriftsreif auszuarbeiten, begrüßen wir ausdrücklich“, sagte Dr. Kruse. Hamburg, Norddeutschland, Deutschland und die Europäische Union bräuchten TTIP: „Und das ohne Wenn und Aber. 99 Prozent aller Zölle würden mit einem Federstrich abgeschafft, Standards könnten anerkannt und in Zukunft gemeinsam entwickelt werden. Dieser Vertrag bringt gerade für mittlere und kleine Unternehmen viele Chancen.“

Der AGA Unternehmensverband vertritt die Interessen von 3.500 Mitgliedsunternehmen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. In diesen Unternehmen sind rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit einem Jahresumsatz von 481 Milliarden Euro sind der gesamte Groß- und Außenhandel sowie der unternehmensnahe Dienstleistungssektor Schlüsselbranchen in Norddeutschland.

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