18.01.2022

Übersee-Club: Aussichten 2022

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Es gibt Traditionsveranstaltungen in Hamburg, die zum Jahresbeginn nicht fehlen dürfen. In diese Reihe gehören zweifelsfrei die „Aussichten“, der Jahresauftakt des Übersee-Clubs. Der Pandemie war es geschuldet, dass das Event zum zweiten Mal in Folge rein digital stattfand. Als einer von acht Branchenexperten sprach AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse für die Hamburger Außenwirtschaft.

Den Zuschauerinnen und Zuschauern an den Bildschirmen sprach Kruse zum Auftakt Mut zu: „2022 wird ein gutes Jahr“, stellte er mit Überzeugung fest. Das Wachstum werde wieder über drei Prozent liegen und die Corona-Rezession endgültig überwunden. Der deutsche Außenhandel habe den Einbruch schon wettgemacht, die Exporte und Importe würden im Jahresverlauf neue Rekordmarken erreichen.

In der Corona-Pandemie sieht Kruse einen Beschleuniger des Wandels. Alle müssten sich neuen Herausforderungen stellen. „Im Außenhandel sind das insbesondere Produktknappheiten und Transportprobleme. [...] Sehr viele Güter sind knapp und manche Preise haben sich verdoppelt“, erläuterte der AGA-Präsident. Die effektiven Frachten seien stark gestiegen, im Containerverkehr mit vielen Destinationen verfünf- oder verzehnfacht. Es komme praktisch überall zu Verzögerungen und Komplikationen. „Als Konsumenten müssen wir flexibler werden und als Unternehmen müssen wir in Läger und Diversifizierung investieren“, betonte Kruse. Für 2022 rechnet er mit einer über drei Prozent bleibenden Inflation.

Der Wandel führt zu der Frage, wie Deutschland seinen Wohlstand, seine industrielle Basis und seine Wettbewerbsfähigkeit im Handel sichern kann. Ohne Konsens mit den europäischen Partnern, da ist sich der Präsident des AGA Unternehmensverbandes sicher, funktioniert es nicht: „Gerade bezüglich der Europäischen Union hilft es nichts, sich in Sonntagsreden zu Europa zu bekennen, aber gleichzeitig die Ideologien unserer Regierungsparteien den anderen Partnern aufdrücken zu wollen. Das galt für Frau Merkels Nordstream- und Chinapolitik und das gilt auch für die sozial- und klimapolitischen Vorstellungen der aktuellen Koalition“, sagte Kruse.

Von nationalen Alleingängen wie dem Lieferketten-Sorgfaltspflichten-Gesetz hält der Außenhändler daher wenig. Es sei ein weiteres bürokratisches Papiergebäude, das den Menschen vor Ort nicht helfe. „Wir brauchen nicht mehr Bürokratie, sondern mehr Ausprobieren, mehr Vereinfachung, mehr Zusammenarbeit“, so Kruse und verband dies mit einem Appell für ein transatlantisches Freihandelsabkommen.

Jedes Land, so der AGA-Präsident, sehe die Probleme aus seiner Sicht. „Aber wenn wir miteinander klarkommen wollen, müssen wir in Interessen denken und den Wettbewerb annehmen.“ Kruse erinnerte abschließend daran, dass zum Jahresbeginn in Asien mit der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) die größte Freihandelszone der Welt entstanden sei – mit einem Anteil von 29 Prozent an der Weltwirtschaft und 2,3 Milliarden Einwohnern. „Das sollte uns in der EU zu denken geben. Wir sind 450 Millionen Einwohner und stehen für 16 Prozent der Weltwirtschaft.“

Trotz aller skizzierten Herausforderungen wiederholte Kruse seine Eingangsprognose abschließend noch einmal: 2022 werde ein gutes Jahr – nicht nur für den Außenhandel.

Für die weiteren Branchen sprachen bei den Aussichten 2022:

  • Hafenwirtschaft: Gunther Bonz, Präsident | Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. (UVHH)
  • Einzelhandel: Andreas Bartmann, Präsident | Handelsverband Nord e.V.
  • Medien: Klaus Ebert, Präsident | Allgemeiner Hamburger Presseclub e.V.
  • Handwerk: Hjalmar Stemmann, Präsident | Handwerkskammer Hamburg
  • Tourismus: Michael Otremba, Geschäftsführer | Hamburg Tourismus GmbH
  • Industrie: Matthias Boxberger, Vorsitzender des Vorstands | Industrieverband Hamburg e.V.
  • Finanzwirtschaft: Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher | Hamburger Sparkasse AG
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